Montag, 10. März 2008

Ich bin dann mal weg...

heute Abend um 8 werde ich mich zusammen mit Julia auf eine kleine Reise in Nicaragua begeben. Wenn wir morgen Früh total kaputt in Managua angekommen sind nach ca. 11 Stunden im Ruckelbus, fahren wir erstmal nach Estelí, einer angeblich sehr hübschen Stadt im Norden und dann nach León weiter und ein bisschen ans Meer. Weiter ist geplant, über einen Zwischenstop in Managua nach San Juan del Sur zu fahren und dann mit 2 Freiwilligen auf den erloschenen Vulkan Maderas auf Ometepe zu klettern. Ostersonntag sind wir dann wahrscheinlich wieder zurück. Falls ich vorher nicht mehr zum schreiben komme- FROHE OSTERN!

Elektrische Geräte und Musik

Gleich zu Beginn kann ich sagen, dass wohl in beinahe jeder Hütte mindestens ein Fernseher UND eine Stereoanlage stehen und jeder ein Handy (auch ganz neue motorola, sony etc.) hat. Es ist schon seltsam, wenn man in ein Haus geht, das nur aus einem Zimmer mit paar zusammengenagelten Brettern besteht, man jedoch riesige Anlagen findet. Genauso komisch ist es für mich immer noch, dass aus den heruntergekommendsten Teilen super gestylte Frauen mit Stöckelschuhen und einer Tonne Schminke im Gesicht kommen und alle Männer immer frischgeputzte Schuhe und ein gebügeltes frisches Hemd anhaben. Ein anderer Freiwilliger, Jakob, erzählte mir, dass er mit einer Gruppe von der Kirche, mit der er zusammenarbeitet, für ein paar Tage ein Seminar gemacht hat. In dem Zimmer, in dem er schlief, wurde das Bad total verwüstet, in die Dusche uriniert usw. und das Zimmer war ein einziges Chaos. In der Früh jedoch standen alle 2 Stunden früher auf, um sich zu duschen, ihre Haare zu machen, einzucremen, uhre Schuhe zu putzen und sich gut anzuziehen. Das ist genau das, was ich hier auch beobachtet habe. Die Häuser sind wirklich unhygienisch zum Teil und es ist normal, in der Dusche zu pinkeln, wenn das Klo doch so weit weg ist. Ungeztylt würde man aber niemals in die Schule oder in die Arbeit oder zum Markt gehen... Die Autos, die es hier gibt, sind entweder Taxis oder gehören einer Institution wie dem Krankenhaus oder dem Rathaus. Autos sind hier sehr teuer. Irgendjemand sagte mir sogar, dass sie sehr viel teurer als in Deutschland sind (umgerechnet). So kann es sich niemand leisten und ganz ehrlich- wofür braucht man hier in San Carlos ein Auto? Taxen egal wohin kosten 10 Córdoba, das sind 0,50$ und man kann eigentlich auch alles zu Fuss laufen...
Musik wird hier den ganzen lieben langen Tag gespielt. Als ich gestern um 5 aufstand, konnte ich die laute Stimme der Frau im Morgenradio vom Nachbarshaus mit anhören. Da hat es mich seit langem mal nicht so gestört. Den Tag über, aber vor allem in der Früh, schallen aus allen Holzhäusern in meiner Strasse die unterschiedlichsten Lieder und zwar in einer Lautstärke, bei der man verrückt werden kann, wenn man sich hineinsteigert. Mittlerweile drehe ich mich einfach um und schlafe weiter, aber nervend ist es schon, denn manchmal kann man einfach nicht nochmal einschlafen. Wenn diese Musik wenigstens schön wäre, dann könnte ich das noch besser akzeptieren, aber meist spielt der Nachbar, dessen Wand direkt an meiner liegt, sowas wie Cowboymusik, auch "rancho" genannt und am allerliebsten Gottes- Lieder, deren Texte immer ungefährt gleich sind. "Oh, mein Gott, du gibst mir die Kraft. Ohne dich kann ich nicht leben, denn nur du führst mich auf dem rechten Pfad..." Am Wochenende ist das besonders ärgerlich, wo man doch mal endlcih bisschen länger schlafen könnte. Komischerweise spielen sie es auch meist nur so bis kurz nach 6/7 und dann ist Stille. Toll! Da ist aber auch schon jeder so genervt, dass er freiwillig aufsteht. Nunja, während des Tages variiert die Musik dann. Am liebsten hören die Jugendlichen hier reggaeton, was immer den gleichen beat hat und alle Lieder ähneln sich sehr. In der Disko wird aber sehr viel Salsa, Merengue und Cumbia gespielt und meist sind es diese Lieder, die die meisten Leute auf die Tanzfläche ziehen. Salsa kann ich leider nicht gut, aber Merengue ist einfach und da macht es Spass, zu tanzen. Also im Grossen und Ganzen kann man sagen, dass es hier sowas wie Bauernmusik, Folklore & typische Nica- Lieder, christliche Lieder, Reggeaton, Tanzlieder und ganz selten englische Oldies gibt.

Sommer

... ist es nun wirklich und wahrhaftig hier in San Carlos. Eigentlich beginnt die Trockenzeit schon im Dezemberg und in den westlichen Teilen Nicaraguas merkte man das damals auch schon. Hier in San Carlos ist das Wetter aber grundsätzlich ein wenig anders. Bei dem Hurrican regnete es sich auch in den anderen Teilen Nicaraguas sehr ab. Bei uns war es zu dieser Zeit ausnahmsweise mal trocken. Und als die Granader etc. im Dezember und Januar unter der Hitze zu leiden hatten, regnete es bei uns eigentlich den ganzen Monat hindurch. Jetzt, anfang März, ist es also bei uns auch so weit und wir stöhnen jeden Tag, wie heiss das doch ist :) Seitdem die Trockenzeit angefangen hat, sind die Nächte jedoch auch um einiges kälter geworden und ich gehe nach wie vor nur widerwillig unter die Dusche in der Früh. Ziemlich schnell heizt sich dann aber alles auf und schon um 9 Uhr Früh hält man es in der Sonne nicht mehr aus. Man enwickelt hier sowieso ein ambivalentes Verhältnis zur Sonne. Als jemand, der im eigenen Land nicht so viel Hitze hat, setzt man sich gerne gleich raus, wenn ein schöner Tag hier. Hier aber flüchtet man nur vom einen Schatten zum nächsten und würde sich nicht freiwillig an die Sonne begeben. Die meisten Nicas laufen auch mit Sonnenschirmen in der Strasse umher und haben ein Tuch auf der Schulter liegen. Allgemein tragen sie das gerne rum um irgendwas abzuwischen, aber jetzt ist es tatsächlich recht praktisch. Einmal, um sich den Schweiss vom Gesicht zu wischen und dann, um dem Staub nicht einzuatmen. Während der Regenzeit sind die Strassen bei mir kaum begehbar, da alles voller Matsch ist und jetzt, da es nicht regnet, hält man es an der Hauptstrasse auch kaum aus, da die Autos so viel Staub aufwirbeln. Fährt ein Laster an einem vorbei, so wirbelt er eine unglaubliche Menge auf und man ist von oben bis unten voll... Gestern früh um 6 Uhr bin ich mit den Bus nach San Miguelito gefahren um Frieda, eine Deutsche um die 50 Jahre, zu besuchen. Auf der Hinfahrt war der Staub noch nicht so ein Problem. Als ich aber um 3:30pm einen Bus erwischte, der nach San Carlos zurückfuhr, wurden wir jedesmal total zugestaubt, wenn uns ein Fahrzeug entgegenkam oder unser Bus sehr schnell fuhr. Bei meinem Haar sieht man es nicht so schnell, aber die ganzen Dunkelhaarigen waren hinterher eher weisslich und die ganzen Anziehsachen mit einer Staubschicht Überzogen. Wie glücklich ich war, dann zu Hause endlich unter die Dusche gehen zu können!

Dienstag, 4. März 2008

Arbeit, bzw. Arbeitslosigkeit

Die Arbeitslosigkeit ist in ganz Nicaragua ein sehr grosses Problem wie in vielen anderen Ländern auch. In Deutschland wird darüber ja auch sehr geflucht, doch kann man das bei Weitem nicht mit Nicaragua vergleichen. Hier beträgt die Arbeitslosenquote nämlich um die 80 %. Im Departemento Río San Juan, von dem San Carlos die Hauptstadt ist, sogar mehr als 85%. Man merkt das auch wirklich hier. Die Leute sitzen den ganzen Tag daheim, schauen fern oder versuchen ihr Leid in Alkohol zu ertränken. Es ist wirklich traurig, wie viele Alkoholiker es hier gibt. Gerade um die Feiertage ist es ganz besonders schlimm. An den Morgen danach trifft man immer einige immer noch Sturzbetrunkene auf der Strasse. Jetzt fragt man sich vielleicht, wo sie das viele Geld für den Alkohol bekommen, wenn viele doch gar nicht arbeiten. Rum ist hier allgemein sehr billig, es gibt jedoch preisliche Unterschiede die von der Qualität abhängen. Flor de Caña, der beste, kostet ca. 100 Córdoba (5$), Plata- mittelmässig- so um die 50 Córdoba und Caballitos nur 10 Córdoba, was umgerechnet 0,50$ sind. Diesen letzteren kaufen sie sich natürlich und man hört immer wieder, dass jemand an diesem Zeugs gestorben ist- von so schlechter Qualität ist er… nunja, also zurück zur Arbeitslosigkeit. Ich denke, dass auch sehr viele Frauen nicht arbeiten gehen, da hier immer noch sehr der Machismo herrscht. Frauen haben zu Hause zu bleiben, zu kochen, zu bügeln, zu waschen und sich um die Kinder zu kümmern. Von klein auf wird den Mädchen gesagt, dass sie mithelfen müssen, während deren Brüder sich bedienen lassen und echt Männer sein müssen, die niemals weinen. Es ist schon besser geworden, aber einige Frauen folgen dem Beispiel ihrer Mütter immer noch, selbst wenn sie gerne selbständig arbeiten wollen. Nun ist es hier eher eine Ausnahme, wenn eine Familie noch intakt ist und die Kinder mit beiden Elternteilen aufwachsen. Meist leben- so wie bei mir auch- die Mütter mit ihren Kindern und evtl anderen Familienmitgliedern zusammen. Hat die Frau vorher aber nur für die Familie im Haus gelebt und kein eigenes Geld verdient, so hat sie nun ein finanzielles Problem. Genau das gleiche, wenn sie nicht mal mehr eine Ausbildung hat, da sie mit 14 schwanger wurde und dann gleich mehrere Kinder bekam. Harz IV gibt es hier natürlich nicht. Der Staat gibt den Arbeitslosen hier gar nichts. Jeder ist auf sich alleine gestellt. Nur ist man hier in einer so grossen Familiengemeinschaft nie alleine. Jeder hilft dem anderen und das finde ich schon eine sehr schöne Sache, auch wenn es finanziell sehr schwierig ist. Genauso wenig wie Arbeitslosengeld gibt es eine Rente. Die Älteren werden also ganz direkt von ihren Kindern versorgt. So ist das auch in meiner Familie. Die Jüngste meiner Oma (es gibt 10!) ist in ihrem ersten Jahr der Uni schwanger geworden und hat das Studium ganz abgebrochen. Seitdem lebt sie mit ihrem Sohn auf Kosten aller anderen. Das ist aber kein Problem oder schlecht angesehen. Man hilft sich halt. Das ist doch ganz normal… Im gleichen Haus lebt auch meine Gastoma und alle ihre Kinder legen monatlich zusammen und so kann sie gut leben. Ruth ist ja nun mit ihrer Schule seit Dezember fertig und würde gerne eine Art Job machen um sich nicht so zu langweilen. Das ist aber alles andere als leicht in Nicaragua. Bei uns kann man sich bei SIEMENS bewerben, im Café als Kellner arbeiten oder ein Praktikum machen. Das fällt hier natÜrlich alles flach. Man kann evtl in einer Venta oder Pulperia Essen oder Hefte verkaufen, das war es dann aber auch. Oder man ist Hausmädchen bei anderen Leuten und kümmert sich neben Kochen und Waschen um die Kinder. Da sieht man es mal wieder, wie gut wir es doch haben, in einem so entwickelten Land zu leben, oder? Aber gleichzeitig stimmt es auch, was die Leute hier sagen und was ich auch im Moment immer wieder in der Biographie von Dalai Lama lese: Wir leben in Luxus, aber doch recht isoliert voneinander. Natürlich hängt das vom Wohnort ab, aber wie viel wissen wir schon von unseren Nachbarn? Hier lebt man nebeneinander, muss wohl oder übel die laute Musik des Anderen mit anhören, man hilft sich gegenseitig. Und diese Nachbars- und Familienzusammengehörigkeit finde ich schon wirklich sehr bemerkenswert. Und alleine materielles Glück macht uns noch lange nicht auf Dauer glücklich …

Freitag, 29. Februar 2008

Themen?

Jetzt bin ich "nur noch" zwei Monate hier und die Zeit läuft mir schon jetzt davon. Die Berichte, die ich bis jetzt geschrieben habe gingen meist über Ausflüge von mir und kaum über Alltag. Vielleicht einfach deshalb, weil das alles so normal ist für mich. Für euch aber eben nicht. Und deshalb nun die Frage, über was ihr gerne noch etwas erfahren würdet- also schreibt mir doch bitte was als Kommentar und ich versuche, dass dann gut zu beschreiben.

Dienstag, 26. Februar 2008

Weihnachten die Zweite

Hatten Juli und ich gestern tatsächlich doch noch. Eigentlich wollte ich nur 2 Briefe beim Postamt abgeben. Doch als ich hereinkam, strahlten mich die Angestellten schon an und meinten, es wären 2 Pakete für mich angekommen. Als ich nachfragte, wie lange die da schon liegen, meinten sie, naja, so 1 Woche. Tja, das ist hier ein bisschen anders, denn der Briefträger hat meist keine Lust, das Zeug irgendwo hin zu fahren auf seinem Fahrrad. Wie sich herausstellte, war eines der Päckchen für meinen Geburtstag, das andere aber ein schon verloren geglaubtes Weihnachtspaket von meiner Freundin Helena. Für Julia war auch ein Weihnachtspaket angekommen und so beschlossen wir, bei ihr (da ihr Haus ganz in der Nähe liegt) eine Bescherung zu machen. Wie kleine Kinder freuten wir uns und öffneten gemeinsam unsere Pakete. Als ich das von Helena öffnete, kam mir ein intensiver Weihnachtsgeruch entgegen und wir fühlten uns tatsächlich so, als hätten wir nun doch noch ein Weihnachten gehabt. Und was dann auch noch alles drin war- unglaublich. Gebrannte Mandeln, Spekuatius, Plätzchen… Vieles war noch verschweist und nach einer Kostprobe meinten wir beide, dass das in Odnung ginge ;)
Tja, das sind so unsere Freuden hier in dem entfernten Nicaragua. Muss schon witzig sein für aussenstehende und wir müssen darüber hin und wieder auch lichen :o)

Geburtstag

Tja, nun gehöre ich also auch zu den 20ern und bin somit nun endgültig aus dem Teenageralter raus. Aber was macht schon das Alter aus- schliesslich ist man nur so alt, wie man sich fühlt, oder?
Von meinem Geburtstag habe ich mir hier nach dem missglückten Weihnachtsfest ehrlich gesagt nichts erwartet und so war ich dann überrascht, dass ich gleich zwei mal gefeiert habe. Und das war so:
Donnerstag Nachmittag sassen Juli und ich mal wieder im Rathaus und wollten unbeschränkt das Internet ausnutzen. Tja, das klappte aber leider nicht, da es seit ein paar Tagen Probleme mit der Verbindung gab (was sich erst Samstag wieder änderte, ich also über eine Woche nicht reinschauen konnte wg Seminar). Zusätzlich zu diesem Frust kam dann noch, dass Juli am nächsten Morgen bis Montag nach Los Guatuzos sollte um dort Englischunterricht zu geben. Super- an meinem 20.! Tja, unser Frust wandelte sich in Tollheit um und irgendwie kam mir dann der Geistesblitz, dass wir ja einfach meinen deutschen Geburtstag schon um 17 Uhr Ortszeit vorfeiern könnten. Nun musste alles schnell gehen, damit wir das zeitlich noch schafften und Julia schickte mich schonmal vor an den Malecón, wo ich warten sollte. Dort sass ich nun also und fiel vor Schreck fast ins Wasser, als sie von hinten mit einer Kerze in der Hand singend ankam. Die Kerze ging leider immer wieder aus, aber das machte nichts. Woher Juli so schnell nen Schokokuchen aufgetrieben hat, das wollte sie mir nicht verraten. Aber allein der Geschmack und der Blick auf den Nicaraguasee waren einfach herrlich. Schon was einzigartiges, seinen Geburstag mit einem SonnenUNTERGANG hinter dem Nicaragusee und den Bergen dahinter zu beginnen. Zusammen mit den Palmen, die auf dem Platz am Wasser stehen und dem Licht war das wirklich toll und für mich dir Welt wirklich in Ordnung.
Mein Nica- Geburtstag began dann so um 7 Uhr Früh, als ich verschlafen aus dem Bett kam und mir meine Familie (Cecilia, Ruth, Daniela und Danay) das traditionelle “Las Mañanitas” vorsangen. Danach rief mich Daniela zu sich und ich hatte schon so ein ungutes Gefühl, da alle so scheinheilig lieb schauten. Tja, und mein Misstrauen war auch begründet, denn plötzlich hielt mich Ruth fest und Daniela zerschlug mir ein rohes Ei auf dem Kopf. Supi! Angeblich machen die Jugendlichen das hier an den Geburtstagen. Sogar in der Schule. Ist wohl als Ersatz für Geburtstagskerzen gedacht. Die gibt es hier nämich gar nicht… Normal wie jeden Freitag ging ich dann in den CDI, wo ich einen ganz normalen Arbeitstag verbrachte mit der Aussnahme, dass ich aus Deutschland und von Freunden aus Nicaragua angerufen wurde, was mir ein Dauergrinsen aufs Gesicht setzte  Mittags gab es eins meiner Lieblingsspeisen hier: “Indio Viejo”, den Ruth extra für mich gemacht hatte und dazu Tomatensalat (mir wird hier nachgesagt ich wäre verrückt nach Tomaten). Und was noch viel toller war, dass wir echt alle gemeinsam am Tisch sassen, was hier in Nicaragua wahrlich nicht normal ist. Irgendwie war ich rel kaputt und so las ich schonmal ein bisschen in der Autobiographie vom Dalai Lama. Thomas aus Managua hat mir dieses und ein anderes Buch aus Deutschland mitbringen lassen und mir dann kurzfristig geschenkt, als wir uns am letzten Donnerstag sahen in San Carlos. Bevor wir um 6Uhr beim Radio sein mussten, bereitete ich mit Jahaira, meiner Tante, schonmal das Essen für abends vor und Ruth (Gastcousine) musste total viel rumrennen, um alles zu organisieren. Die Radiosendung mit dem Thema “Vorurteil” war recht gut und ich war zufrieden, denn ich hatte dieses Thema selbst vorgeschlagen. Schon am Morgen hatte mir irgendjemand im Radio Geburtstagsgrüsse geschickt und das wurde jetzt nochmal gemacht. War mir fast peinlich. Kurz bevor die Sendung zuende war, nahm John nochmal das Mikrophon und nach den abschliessenden Worten richtete er nochmal direkt die Worte an mich, beglückwünschte mich und dann sangen alle in die 2 Mikrophone “Häbbi Börsdai” und John schenkte mir eine riesige rosane Torte mit “Felicidadez Helena” drauf. Eigentlich sind mir diese Torten ein Horror, aber ich habe mich sehr über die Geste gefreut und da dismal nicht so viel Zuckerzeugs drauf war, schmeckte sie wirklich recht gut. Hinzu kam noch, dass sie eben erst aus dem Ofen und somit ganz warm war  Nachdem alle verköstigt waren, ging es erst mit dem Rest der Torte heim und dann in die Tertulia, wo die Generación del Mañana durch die Organisation von Ruth eine Feier vorbereitet hatte. Zu Beginn bat mich Edi, der im Sommer auch nach Deutschland kommen wird mit dem Jugendaustausch, zu sich und sang mir mit Begleitung der Gitarre, zwei Ständchen. Dann wurde Salsa vorgetanzt und Reggaeton und alle waren recht vergnügt. Fand es echt suss, dass sie sich was ausgedacht hatten und auch so zahlreich kamen. Der Arroz Valenziana, den ich mit Jahaira vorbereitet hatte, wurde verteilt und dann bekam ich doch tatsächlich auch noch eine Piñata! Man bekommt also die Augen verbunden, einen Stock in die Hand und muss dann tanzend nach einer Puppe schlagen, die an einem Seil festgemacht ist und immer wieder hoch und runtergezogen wird, damit man sie nicht so leicht fassen kann. Wenn oft genug getroffen wird, platzt die Pappenpuppe irgendwann und Süssigkeiten kommen heraus. Schluss der Feier war dann die Torte. Das ist hier anders. Bei uns beginnt man meist eine Feier mit gemütlichem Kaffee und Kuchen und hier gehen alle, wenn es erstmal Kuchen gab. Als die Jugendlichen (12-18 Jahre) dann eine Sahneschlacht begannen, habe ich schon gemerkt, dass ich einfach alter bin, so dumm das klingen mag *g* ich war jedenfalls glücklich, dass meine Gastfamilie und die vom Club mich nicht vergessen hatten und ich so einen ganz traditionellen Geburtstag organisiert bekam. Gemeinsam mite in para Leuten liess ich den Abend dann im Haus eines Freundes ausklingen und fiel um 2 sehr müde ins Bett.

Geburtstag